Heiße Luft zur Pajero-Premiere
Liebe Kollegen und Pressemitteilungs-Abschreiber,
herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Abschalten von Hirn und Kritik. Auf mindestens einem halben Dutzend Websites habe ich die Botschaft zur Weltpremiere des neuen Mitsubushi Pajero gefunden, und zwar weitgehend identisch mit den Formulierungen, die der japanische Autohersteller an die Presse verteilt.
Was daran so seltsam ist? Dass Mitsubishi in der Pressemitteilung den Pajero als echten Offroader lobt und gleichzeitig mit High-Tech-Unterhaltungselektronik protzt, die in Wald, Wiese und Wüste eher nichts verloren hat. Alle Register ziehen Mitsubishi und die gläubigen Abschreiber, um die Off-Road-Gene zu belegen: Der Ur-Pajero darf mit auf’s Werbebild für die neue Baureihe, natürlich auch der Pajero als vielfacher Gewinner der Rallye Dakar.
Weiter in den Web- bzw. Hersteller-Texten: 30 Gigabyte Festplatte für Navigation und Musikdaten und 860-Watt Dolby-Surround -Anlage sind auch an Bord, hurra hurra. Aber keiner stellt die naheliegende Frage: Wozu? Wie passt das zusammen, Wüstensohn mit Disco-Ausrüstung? Soll das Ding die nächste Rallye Dakar beschallen?
Für Anhänger der großartigen Stille in der Wüste gibt es immerhin den Pajero Classic. Sozusagen als “Afrika-Version” bleibt er unberührt von diesen seltsamen Blüten des Automobilbaus. Nur - diesen Hinweis haben die Kollegen vergessen zu erwähnen.
P.S. Was ist nun wirklich neu am “neuen” Pajero, der auf dem Pariser Autosalon Premiere hat: Frontansicht, Heckansicht, die Motoren, die Bremsen, mehr Federweg an der Hinterachse. Um das zu erfahren, muss man allerdings bei “auto motor und sport” nachblättern.
8. Dezember 2006 um 11:41
[…] Update: Im Zusammenhang mit der Meldung zum neuen Mitsubishi Pajero mahnt das Blog auf Rallye.org zu recht den zunehmend unkritischen Umgang mit Pressemitteilungen der (Auto)Hersteller an. Richtig ist: Journalismus ist etwas anderes als Pressemitteilungen abschreiben. […]